Politik zum Anfassen am Blaulach

Soll Baden-Württemberg früher aus fossilen Energien aussteigen? Soll das Schulsystem strukturell verändert werden? Soll die Überwachungssoftware Palantir eingesetzt werden? Soll der Landtag ein AfD-Parteiverbot im Bundesrat voranbringen?

Diesen und weiteren Fragen von Schülerinnen und Schülern des Evangelischen Blaulach-Gymnasiums stellten sich fünf Kandidat:innen für den Landtag, Thomas Poreski (Grüne), Dr. Maximilian Menton (CDU), Ronja Nothofer-Hahn (SPD), Sebastian Geyer (FDP) und Jessica Knapp (Die Linke), in einer Podiumsdiskussion in der Aula unserer Schule. Dabei wurde intensiv miteinander gestritten und auch mal einander zugestimmt. Rote und grüne Karten forderten zu einer klaren Positionierung pro Frage heraus - Unterschiede wurden so fürs Publikum direkt sichtbar gemacht. Auf den Abend verteilt hatten die Gäste außerdem pro Kopf nur 20 Minuten Redezeit, die sie frei auf die vier Themenblöcke Klima, Bildung, innere Sicherheit und Parteiverbot aufteilen konnten. Die eigens dafür programmierten Timer sorgten dabei transparent und fair dafür, dass die Kandidierenden ihre Positionen auf den Punkt brachten.

 

Neben diesem „Laber-Check“, wie die Timer im Vorfeld inoffiziell genannt wurden, gab es außerdem einen Live-Faktencheck, der unklare oder fragwürdige Aussagen gegen-recherchierte und so im engen Austausch mit dem Moderator die Debatte auf dem Boden der Tatsachen hielt. Das Besondere dabei: der Faktenchecker Fritz Weber war ein Schüler der 12. Klasse, der Moderator Philipp Tietze ein ehemaliger Schüler aus dem letzten Abiturjahrgang, der die Redner:innen dabei nicht so leicht davonkommen ließ, sondern nachhakte, an geeigneter Stelle unterbrach, wenn die Beiträge vom Thema abkamen – und souverän durch die sehr konkreten Fragen führte, die im Vorfeld in den 10. und 11. Klassen gesammelt wurden.

Organisiert wurde das Ganze von Pius Breiter aus der 11. Klasse. Im Rahmen des Seminarkurses „Lernen durch Engagement“ entwickelte er die Idee, die Vorbereitung und Durchführung dieser Podiumsdiskussion zu seinem Projekt zu machen. Zusammen mit einer wissenschaftlichen Arbeit, in der das Projekt reflektiert wird, sowie einem Kolloquium und einer öffentlichen Präsentation ersetzt ein Seminarkurs-Projekt eine mündliche Abiturprüfung. Das besondere an „Lernen durch Engagement“ ist dabei, dass das Projekt sowohl ein inhaltliches Thema vertiefen als auch einen Nutzen für Menschen außerhalb der Schule bringen soll – und das in Kooperation mit externen Partnern. Diese waren für den Abend am Blaulach verschiedene Mitglieder der Initiative „Mensch sein auf den Härten“, einem Zusammenschluss zahlreicher Organisationen, Vereine und Kirchengemeinden, die sich für Menschenwürde, Demokratie und Vielfalt einsetzen. Als ihr Vertreter erinnerte Thomas Nielebock in seiner Eingangsrede daran, dass es oft wirtschaftlich starke Ungleichheit sei, die Menschen unzufrieden mache mit der Demokratie. Als evangelische Schule, so Schulleiterin Birgit Wahr zu Beginn, habe man sich aus theologischen Gründen gegen eine Einladung des AfD Kandidaten entschieden, weil dessen Positionen ein Menschenbild zugrunde liege, das die Würde des Menschen nicht für alle gleich geltend sehe. 

 

Fürs Publikum gab es am Ende jedes Themenblocks die Möglichkeit, weitere Fragen einzubringen, wovon engagiert Gebrauch gemacht wurde. In der Pause sowie vor und nach den gut zweieinhalb Stunden Debatte gab es außerdem Gelegenheit, bei einer Stärkung durch Fingerfood und Getränke mit den Kandidat:innen ins Gespräch zu kommen. Das Projekt von Pius bot die Möglichkeit, sich auf lebendige Art zu informieren. Dass hier viele interessierte Bürger:innen von den Härten und darüber hinaus dies gerne nutzten, war deutlich wahrzunehmen. Dabei waren nicht nur viele wahlberechtigte Jugendliche ab 16 Jahren anwesend, sondern sogar auch jüngere Interessierte. Der informative und kurzweilige Abend gab viele Anregungen, die angesprochenen Themen weiter zu verfolgen, und lud dazu ein, sich mit der eigenen Wahlentscheidung gründlich auseinanderzusetzen.

Text: Mirjam Haas
Bilder: Cosmin Sing

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